Badminton

Hochgeschwindigkeitsdoppel lässt die Halle beben

SV Fun-Ball verliert 2:5 gegen Meister Refrath und in Lüdinghausen: Hochgeschwindigkeitsdoppel lässt die Halle beben

Bad Vilbel (res) _ Gegen den amtierenden deutschen Meister, den TV Refrath, zog sich der SV Fun-Ball Dortelweil in der Badminton-Bundesliga achtbar aus der Affäre, auch wenn es nicht für einen Punkt reichte. Am Tag danach folgte in Lüdinghausen bei einem weiteren Bundesliga-Vertreter aus Nordrhein-Westfalen eine weitere 2:5-Niederlage.

Der Applaus der gut 200 Zuschauer war freundlich, aber eben nicht so stürmisch wie in den Vorjahren für Annika Dörr. Jahrelang hatte die gebürtige Hessin für den SV Fun-Ball Dortelweil zum Racket gegriffen, am Samstag kehrte sie im Team des amtierenden deutschen Meisters, dem TV Refrath, zurück an ihre alte Wirkungsstätte in der Sporthalle der Europäischen Schule in Dortelweil. Und in ihrem einzigen Spiel an diesem Tag, dem Damendoppel, hatte sie mit der deutschen Nationalspielerin und Olympia-Teilnehmerin Carla Nelte einige Mühe gegen Annika Horbach und Theresa Wurm vom SV Fun-Ball. Nachdem das favorisierte Damendoppel aus Refrath die ersten beiden Sätze gewonnen hatte, drehten die Dortelweilerinnen im dritten Abschnitt auf und gewannen diesen mit 11:9. Und auch im vierten Satz war es eine „enge Kiste“, bei der letztlich Dörr/Nelte mit 12:10 siegten.

Publikumsliebling im Pech

Fast parallel lief auf dem Nachbarspielfeld das wohl spektakulärste Match des Spiels, das erste Herrendoppel. Es war ein atemberaubendes Tempo in diesem Hochgeschwindigkeitsdoppel, die Dortelweiler Daniel Benz und Andreas Heinz brannten ein wahres Angriffsfeuerwerk zum zweiten Advent ab. Gegen den langjährigen Nationalspieler Raphael Beck und Jan-Colin Völker, eines der größten Talente im deutschen Badminton, legten sie nach drei umkämpften Sätze (11:9, 13:11, 11:13) im vierten Abschnitt noch eine Schippe drauf und siegten dort klar mit 11:4, die Halle bebte. Es stand 1:1 nach Spielen. Und auch im zweiten Herrendoppel lag ein Dortelweiler Sieg in der Luft: Peter Lang und Thomas Legleitner lagen im entscheidenden fünften Satz gegen Max Schwenger und Denis Nyenhuis mit 4:2 vorne, ehe bei ihnen der Faden abriss und sie sieben Punkte in Folge verloren, so dass die Gäste den Satz mit 11:6 gewannen und so der Punkt an Refrath ging. Peter Lang musste wenig später im zweiten Herreneinzel schon wieder ran: Dort traf er auf Kai Waldenberger und trumpfte lange stark auf. Er siegte im ersten Abschnitt mit 11:8 und lag auch in Satz zwei mit 9:5 klar auf der Siegerstraße, ehe ihm das Spiel noch mit 10:12 aus den Händen glitt. Von diesem Knacks erholte sich der Publikumsliebling leider nicht mehr, er unterlag die folgenden Sätze mit 7:11 und 3:11.

Peng prima in Form

Davor hatte aber Dortelweils David Peng gegen Lars Schänzler den 3. der letzen DM in vier Sätzen das Duell der Topspieler gewonnen: Er behielt auch bei langen Ballwechseln stets die Ruhe und Übersicht und erzielte mit einigen beeindruckenden Cross-Bällen Punkte, die im Publikum Begeisterung hervorriefen. Dagegen verlor Theresa Wurm das Dameneinzel gegen Elin Svensson, so dass es vor dem abschließenden Mixed 2:4 aus Dortelweiler Sicht stand. Ein Sieg hätte den Hausherren immerhin einen Punkt beschert (Anm. der Red.: Beim Bundesliga-Badminton gibt es einen Zähler bei einer 3:4-Niederlage, zwei Punkte für 4:3 und 5:2 Siege und drei Punkte für 6:1 und 7:0-Siege).

Im gemischten Doppel hatte die Dortelweiler Paarung mit Franziska Volkmann und Andreas Heinz eine echte Herausforderung zu meistern: Carla Nelte und Max Schwenger. In den ersten beiden Abschnitten fanden Franziska Volkmann und Andreas Heinz nicht so recht ins Spiel, sie unterlagen mit 6:11 und 7:11. Aber dann steigerte sich das Dortelweiler Mixed gewaltig, siegte mit 11:7 im folgenden Satz und im vierten Satz wogte das spannende Match hin und her. Die Dortelweiler wehrten zwei Matchbälle bravourös ab und hatten beim Stand von 13:12 selbst einen Satzball. Doch nach einem langen Ballwechsel setzte Refraths Mixedmann Max Schwenger einen traumhaften Drop zum 13:13 ins gegnerische Feld. Dann wehrten die Dortelweiler unter lautstarker Begeisterung nochmals einen Matchball ab, der nächste Ball musste die Entscheidung bringen. Und dieser blieb um 17.37 Uhr an der Dortelweiler Netzkante hängen, so dass der Satz und das Mixed mit 15:14 an Refrath ging – und das Match insgesamt mit 2:5 an die Gäste aus Nordrhein-Westfalen. „Das war schon sehr ärgerlich heute, weil eigentlich ein Punkt locker drin war. In manchen Matches hatten wir heute auch nicht das Spielglück auf unserer Seite, aber kämpferisch haben die Spieler alles gegeben“, sagte Fun-Ball-Teamchef Klaus Rotter direkt nach dem Spiel.

Am nächsten Tag mussten die Dortelweiler nach Nordrhein-Westfalen reisen, wo sie ebenfalls auf einen früheren Teamkollegen trafen, den langjährigen Topspieler Kai Schäfer, der jetzt für Lüdinghausen aufschlägt. Doch der hatte sich am Vortag bei der 3:4-Niederlage in Mülheim verletzt und musste bei der Begegnung von draußen anschauen, wie sein neues Team gegen seine ehemalige Mannschaft aus Dortelweil mit 5:2 gewann. Für Dortelweil punkteten das erste Herrendoppel mit Andreas Heinz und Daniel Benz, sie brauchten nur drei Sätze zum Sieg (11:4, 11:4 und 15:13); den zweiten Sieg errang Peter Lang im zweiten Herren-Einzel, der Roman Zirnwald in vier Sätzen besiegte. Das Mixed mit Annika Horbach und Andreas Heinz lieferte der gemischten Paarung der Hausherren zwar eine ausgeglichene Partie, zog aber in allen drei Sätzen in der Verlängerung den Kürzeren (11:13, 10:12, 11:13). Auch die restlichen vier Partien gingen an Lüdinghausen, die damit Tabellenplatz vier festigten, während der Fun-Ball an diesem Wochenende leer ausging und auf Rang acht abrutschte.

Dennoch steht der SV Fun-Ball vor dem letzten Vorrundenspieltag mit sieben Zählern auf Rang acht - satte vier Punkte vor der Abstiegszone (die letzten beiden der zehn Teams steigen ab). „Es läuft besser, als wir gedacht hatten, obwohl wir an diesem Wochenende durchaus in beiden Spielen noch hätten einen Punkt holen können. Aber das notwendige Quentchen Glück hat uns an diesem Wochenende gefehlt. Auch ist es für uns ein echtes Handicap, dass unser englischer Topspieler Alex Lane schon seit Anfang Oktober verletzt ist“, sagt Klaus Rotter – und blickt auf den kommenden Samstag zum letzten Spiel in diesem Kalenderjahr bei Mitaufsteiger Wippperfürth voraus. „Da wollen wir nochmal alles in die Waagschale werfen um zumindest einen Punkt zu holen“.

Bildunterzeile:

Sie zogen das Publikum gegen Refrath in ihren Bann und siegten in einem hochklassigen ersten Herrendoppel: Daniel Benz (vorne beim Aufschlag) und Andreas Heinz.

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